Vereinsgeschichte

Vortrag "60 Jahre Fischereiverein" von Ernst Walz

„In seiner heutigen Form wurde der Fischereiverein Munderkingen vor 60 Jahren gegründet.

Überraschend für mich – und wahrscheinlich auch für Sie – ist, dass es 1898 schon mal einen Fischereiverein in Munderkingen gab (doch dazu später mehr).

Ich will in meinen Ausführungen nicht nur auf die letzten 60 Jahre eingehen, sondern auch ein klein wenig in die Vergangenheit blicken.

 

Das bedeutsame Fischwasser der Donau ist in den vergangenen Jahrhunderten in verschiedene Hände gekommen.  Man kann sich den unermesslich großen Fischreichtum von damals kaum mehr vorstellen, als die Donau noch unverbaut und ohne Staustufen durch die Auen schlängelte. Für die Bevölkerung wie auch für deren Herrschaften stellte sie eine wichtige und ergiebige Nahrungsquelle dar.

Die Fischereigerechtigkeit gehörte damals noch zu den Hoheitsrechten einer Herrschaft.

Erstmals erwähnt wurde die Donau als Fischgewässer im Jahr 1327 als ein Eglolf von Emerkingen seine Fischenzen an einen Munderkinger Bürger verkaufte.

In den folgenden Jahrhunderten traten als Käufer das Kloster Marchtal , die Ritter vom Stein, die Grafen von Berg, die Herren von Freyberg bis hin zu den Habsburgern auf, um nur einige zu nennen.

Interessant erscheint mir, dass vom 13. bis 16. Jahrhundert das Fischwasser bereits in ein Ober- und Unterwasser aufgeteilt wurde, wobei das Oberwasser damals bis zur Lautermündung und das Unterwasser bis zur Schmiechmündung ging.

Es war immer die Rede – bis zum Wehr bei der Mühle – ich gehe davon aus, dass es sich dabei um die Stadtmühle handelte.  Heute ist auf dem Gelände das Kraftwerk der ENBW.  

Anno 1680 ging das Fischwasser dann lehensweise vom Erzhaus Österreich , dem Grafen Otto von Truchsess an den Munderkinger Bürger Georg Doll (geb. 6. Mai 1656).

Als der dann 1685 als Obervogt nach Stetten am Kalten Markt ging fiel das Fischwasser an die Stadt Munderkingen. In dieser Urkunde wird auf die Freiheit der Munderkinger Bürger hingewiesen, dass sie nach althergebrachtem Recht für den eigenen Bedarf in der Donau fischen und krebsen dürfen.

Als gesichert gilt, dass die Stadt Munderkingen ab dem 17. Jahrhundert bis 1924 die Fischerei über die sogenannten „Stadtfischer“ ausübte. Der letzte Stadtfischer hieß Josef Diemer  und ist 1866 geboren.

Es ist verbürgt, dass zuvor sein Verwandter Xaver Diemer und vorher schon sein Großvater die Fischerei mit Netzen und Reusen im Auftrag der Stadt ausgeübt haben.

Die gefangenen Fische wurden immer Freitags am Marktbrunnen an die Bevölkerung verkauft. Vom Erlös kamen den Stadtfischern 40 % zugute. Obwohl die Stadt das Fischereirecht über die Stadtfischer bis 1924 ausübte wurde bereits 1898 ein Fischereiverein gegründet.

 

Auszug aus dem Donauboten vom 01.04.1899:

„Am Feiertag Mariä Verkündung tagte hier in Postsaale die Vollversammlung des im vorigen Jahre gegründeten Fischereivereins des Oberamts Ehingen. Der erste Vorstand, Herr Stadtschultheiß Rapp von hier begrüßte die ca. 40 Personen zählende Versammlung, die Teilnehmer aus allen Enden und Ecken des Bezirks auswies“.

 

Dem Vorstand gehörten aus Munderkingen ein Braun zur Rose, ein Notar Hinderer und der Privatier Matti an.

Ob und in welchem Umfang der Verein in einem Pachtverhältnis zur Stadt stand, und wie lange er existierte, konnte ich nicht ermitteln. Es ist aber festgehalten, dass vom Verein Huchen in die Donau bei Munderkingen und Karpfen im Altwasser eingesetzt wurden.

Als 1. Pächter des Fischwassers wird 1926 ein German Schnopp, Fischzüchter aus Schelklingen genannt. Ab 1930 hat dann Ernst Friedmann, Oberingenieur der OEW, früher EVS, heute ENBW das untere Fischwasser und Anton Hagel die obere Donau gepachtet.

Neben diesen Pächtern wurde 1931 noch eine Fischereigesellschaft gebildet. Ihr gehörten folgende Personen an: Zahnarzt Merkle, Postmeister Biedermann,  Stadtpfleger Franz Mink, Landwirt Karl Frankenhauser, Metzger Sigmund Mohn, Leopold Ege und Hermann Schmid.

Hermann Schmid ist dann ab 1936 als Ortsbauernführer ins Pachtverhältnis von Anton Hagel eingestiegen. Von ihm wurden auch während der Kriegsjahre Angelkarten vergeben, aber ja nach Parteizugehörigkeit eben wohlwollend oder ablehnend beschieden.

Bis 1950 war das Gewässer dann an Anton Hagel und Hermann Schmid verpachtet.

Vor dem Krieg musste es in der Donau noch einen großen Fischbestand gegeben haben.

 

Davon zeugt folgender Artikel aus dem Donauboten vom 16. Mai 1938:

„Heute in der Morgenstunde bot sich von der Donaubrücke aus ein überraschender Anblick. Schon während der Maiennacht war ein Rauschen und Raunen in den Donauwellen bemerkbar. Zentnerweise offenbarte sich heute früh dieser Fischzug flussaufwärts“.

Gestatten sie mir, kurz  ein anderes Naturereignis der damaligen Zeit einzuflechten.

Es ist überliefert, dass Maikäfer ein guter Köder zum Fischfang waren und es ist bekannt, dass einige von euch damit noch gefischt haben. Dass es diesen Köder damals reichlich gab, gibt folgender Artikel aus dem Donauboten vom 16. Mai 1938 wieder:

„Seit einigen Tagen treten hauptsächlich in den Höhengärten die Maikäfer in sehr starkem Umfange auf. Jeder Gartenbesitzer oder Pächter ist verpflichtet, in den frühen Morgenstunden dieselben zu sammeln und soweit sie zur Geflügelfütterung verwendet werden mittels kochendem Wasser abzutöten. Die erste Morgenarbeit der nächsten Tage soll deshalb die wirksame Maikäferbekämpfung sein“.

 Nach dem Krieg war der Fischbestand erheblich dezimiert. Aufgrund wirtschaftlicher Verhältnisse konnte kein Besatz getätigt werden und von den französischen Besatzungsmächten wurde Raubbau an den Gewässern betrieben (fischten u. a. mit Handgranaten).

 

Im Jahr 1950 wurde dann auf Betreiben von Ernst Friedmann, Aktuar Dangel und Alfred Häussler in Erwägung gezogen, einen neuen Verein zu gründen oder den alten wieder aufleben zu lassen.

Nach stürmischen Auseinandersetzungen – laut Protokoll – wurde dann am 10. Dez. 1950 ein neuer Verein gegründet. Gegner einer Vereinsgründung war Max Hagel. Er wollte mit ein paar Freunden weiterhin die Netzfischerei auf der ganzen Donau betreiben.

Mann einigte sich dann darauf, dass Max Hagel die obere und der Fischereiverein die untere Donau befischte.

Der neu gegründete Fischereiverein mit 12 Mitgliedern  ist dann ab 1951 ins Pachtverhältnis zur Stadt Munderkingen eingestiegen.

Nachdem die Gründungsmitglieder bekannt sind und viele von euch noch welche kannten und kennen, will ich diese gern nennen:

Rudolf Dangel, 1. Vorstand; Ernst Friedmann, 2. Vorstand, Karl Lander, Kassier und Schriftführer, Dr. Robert Weiss, Albert Fischer, Robert Fischer, Eugen Haug, Georg Haug, Max Hagel, Josef Bailer, Alfred Häussler und Helmut Walk.

Unser Mitglied Helmut Walk ist heute der einzige noch lebende Fischer von den Gründungsmitgliedern.

 

Oberstes Ziel des Vereins in den vergangenen 60 Jahren war die Hege und Pflege des Gewässers und des Fischbestandes. Dabei wurden auch größere und kostenintensive Maßnahmen wie das ausbaggern der „Alten Donau“,  der Franzoseninsel oder der Eisbahn durchgeführt.

Ansonsten war man immer bemüht, durch gesellige Aktivitäten wie Wanderungen, Ausflüge, Kameradschaftsfischen, usw. die Geselligkeit und die Kameradschaft zu pflegen.

Dass dies dem Fischereiverein gelungen ist, zeigt sich u. a. auch darin, dass der Verein in diesen 60 Jahren nur 6 Vorstände hatte (Rudolf Dangel, Anton Igel, Eugen Walk, Ernst Walz, Karl-Heinz Lippke und Max Burgmaier).

Vergessen werden sollten aber auch nicht die Beisitzer und Ausschussmitglieder die oft jahrzehntelang als Kassier, Schriftführer Stellvertreter usw. wichtige Aufgaben im Verein übernommen haben. Ich denke dabei an Karl Fundel, Horst Erhart, Hans Wendlandt, Erich Herter und nicht zuletzt die, die heute die Geschicke des Vereins leiten.

Von ursprünglich 12 Gründungsmitgliedern ist der Verein  heute auf fast 100 Mitglieder – Aktive, Passive und Jugendfischer – angewachsen. Ich denke, dies ist eine sehr beachtliche Anzahl.

Unser oberstes Anliegen ist derzeit- und wird es auch wohl noch eine Weile bleiben –  den Fischbestand durch Besatzmaßnahmen wieder aufzubauen bzw. zumindest zu halten. Des weiteren haben wir mit der Pflege der Gewässer eine wichtige und dauerhafte Aufgabe übernommen, der wir uns Fischer auch in Zukunft  gerne stellen.

 

Ich wünsche allen Fischern weiter schöne und besinnliche Stunden am Gewässer und  einen guten Fang.

Petri Heil!“